International
Donald Trump

USA: Trump-Regierung will zentrale Klimaschutz-Grundlage aushebeln

President Donald Trump signs an executive order regarding coal during an event in the East Room of the White House, Wednesday, Feb. 11, 2026, in Washington, as Interior Secretary Doug Burgum, House Sp ...
Donald Trump wird von der Kohleindustrie mit einem Award als «Kohle-Champion» geehrt: Der US-Präsident glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel.Bild: keystone

Anti-Klimaschutz: USA stehen vor bedeutender Kurswende

Die Trump-Regierung geht den nächsten radikalen Schritt bei der Anti-Klima-Wende. Sie will ein zentrales Prinzip der US-Klimapolitik kippen.
12.02.2026, 15:1712.02.2026, 15:17
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Im wissenschaftlichen Konsens gilt: Treibhausgase sind schädlich. Sie verstärken die Erderwärmung und damit Risiken wie den Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen, extreme Hitzewellen, katastrophale Waldbrände und andere Naturkatastrophen. Auch deshalb bemühen sich Länder weltweit, ihre CO2-Emissionen zu senken.

Dieses wissenschaftliche Prinzip bildet auch die Grundlage zahlreicher Klimaregeln in den USA. Die sogenannte Gefährdungsfeststellung der US-Umweltbehörde, die 2009 unter Barack Obama eingeführt wurde, bildet die rechtliche Grundlage unter anderem für die Regeln für den CO2-Ausstoss von Fahrzeugen sowie von Gas- und Kohlekraftwerken. Sie legt nicht nur fest, dass es menschengemachten Klimawandel gibt, sondern auch, dass die dadurch verstärkten Folgen Gesundheit und Wohlergehen des Menschen gefährden – und dass der Staat deshalb handeln muss. Sie bildet somit den juristischen Sockel, auf dem die Klimaschutzvorgaben stehen.

Donald Trump will Klimaschutzgrundlage kippen

Nun will US-Präsident Donald Trump diese wichtige Grundlage für den Klimaschutz in den Vereinigten Staaten kippen. Seine Regierung will nach Angaben des Weissen Hauses am Donnerstag die wissenschaftliche Erkenntnis für ungültig erklären, dass Treibhausgase gesundheitsschädlich sind. Das Weisse Haus spricht von der «grössten Deregulierungsmassnahme» in der US-Geschichte. Die Massnahme erfolge, um «die amerikanische Energiedominanz weiter zu entfesseln» und Kosten zu senken, teilte Sprecherin Caroline Leavitt vor der Presse mit.

Die Auflagen für Kohle- und Gaskraftwerke blieben vorerst bestehen, berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Regierungskreise. Der Widerruf der Grundlage soll demnach zunächst vorwiegend bei Fahrzeugen ansetzen: Pflichten zum Messen, Melden, Zertifizieren und Einhalten bundesweiter Treibhausgas-Standards würden entfallen. Trump argumentiert, die Vorschriften führten zu schweren wirtschaftlichen Schäden, unter anderem für Autohersteller. Der Verkehr ist der grösste CO2-Verursacher in den USA.

President Donald Trump holds up an executive order he just signed during an event on coal power in the East Room at the White House, Wednesday, Feb. 11, 2026, in Washington. (AP Photo/Mark Schiefelbei ...
Mit seinen Ankündigungen erschwert Trump den Klimaschutz in den USA und weltweit.Bild: keystone

«Zynisch und zutiefst schädlich»

Der Gegenwind kommt von Umwelt- und Gesundheitsschützern – sie wollen gegen eine Abschaffung der zentralen Klimaschutzgrundlage vor Gericht ziehen und bezeichneten die geplante Kursänderung als grössten Angriff in der US-Geschichte auf Bundesbemühungen im Kampf gegen die Klimakrise.

Werde die Feststellung gestrichen, könnten auch andere Umweltregeln künftig leichter gekippt oder ausgedünnt werden, da die Begründung wegfalle, warum der Staat überhaupt eingreifen müsse, schreibt der US-Wirtschaftswissenschaftler Gary W. Yohe in einem Artikel für «The Conversation». Zudem könnte die US-Regierung so Rückendeckung für zusätzliche Massnahmen geben, die den Bemühungen zum Klimaschutz schadeten. Etwa könnte es zu Kürzungen weiterer Mittel für Wissenschaftsprogramme führen.

Yohe bewertet die Hürden für die US-Regierung, die Grundlage zu kippen, jedoch als hoch – er rechnet mit einem langen Kampf. Die Umweltbehörde müsse für eine Kehrtwende denselben gründlichen Wissenschaftsprozess durchlaufen wie damals im Jahr 2009 – das sei ein schwieriger Prozess. Er halte es aber für möglich, dass in der Zwischenzeit durch das Zurückdrehen oder Nicht-Durchsetzen von Regeln dennoch Wirkung erzielt werden könnten, solange Gerichte das nicht per Verfügung stoppten.

Der Jurist Peter Zalzal vom Umweltverband Environmental Defense Fund warnte laut einem Bericht des US-Senders PBS vor mehr Klimaverschmutzung, höheren Kosten bei Gesundheit und Treibstoff sowie «tausenden vermeidbaren vorzeitigen Todesfällen». Der Vorstoss der US-Regierung sei «zynisch und zutiefst schädlich» angesichts der Belege und der Pflicht der Behörde, Gesundheit und Wohlergehen der Menschen zu schützen. Mittelfristige niedrigere Anforderungen für die Industrie würden letztlich teuer werden.

Unternehmen, die Mitglied der Energie-Agentur der Wirtschaft sind, haben ihren CO2-Ausstoss kontinuierlich gesenkt. (Symbolbild)
Dicke Rauchwolken steigen aus einem Fabrikschornstein auf: Treibstroffe verschmutzen die Atmosphäre und tragen zu drängenden Problemen der globalen Erwärmung bei. (Symbolbild)Bild: KEYSTONE

Inhaltlich berufen sich Kritiker auch auf den heutigen Forschungsstand. Die Nationalen Akademien der Wissenschaften, Technik und Medizin hätten die Grundlage der Feststellung neu bewertet und erklärt, sie sei «zutreffend, habe sich bewährt und werde inzwischen durch noch stärkere Belege untermauert». Ein US-Gremium habe im September festgestellt, die Belege für heutigen und künftigen Schaden für Gesundheit und Wohlergehen durch menschengemachte Treibhausgase seien «wissenschaftlich nicht mehr bestreitbar», berichtet PBS.

Unsicherheit für Unternehmen

Der Schritt der US-Regierung könnte zudem neue Unsicherheiten für Unternehmen mit weltweiten Geschäften schaffen, warnen Experten. Wer in den USA produziert und verkauft, rechnet dort mit niedrigeren Standards, ausserhalb – in Europa etwa – aber mit strengeren Vorgaben. Zugleich könnte die Aufhebung auf Bundesebene in den USA einzelne Bundesstaaten dazu bewegen, eigene Regeln einzuführen – ein Flickenteppich, der für grosse Hersteller und Zulieferer besonders teuer werden würde. Wenn die USA ihren Kurs bei Emissionen und Energiepolitik weiter stark verändern, verschiebt das zudem den Takt in internationalen Verhandlungen beim Bestreben, die Erderwärmung zu entschleunigen.

Trump hat den menschengemachten Klimawandel wiederholt als Schwindel bezeichnet. Schon in seiner ersten Amtszeit traten die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Unter Präsident Joe Biden wurde 2022 ein schliesslich ein grosses Klimapaket durch den Kongress gebracht. Das enthielt Anreize für den Umbau von erneuerbaren Energien und sollte den CO2-Ausstoss der Vereinigten Staaten deutlich senken. Trump drehte jüngst zentrale Teile davon mit seinem Haushaltsgesetz «Big Beautiful Bill» wieder zurück. Der Plan fördert unter anderem fossile Energieträger: So will der Präsident die Gas- und Ölexploration stärker unterstützen und Exportmöglichkeiten ausweiten. Subventionen für Elektroautos oder andere Klimaschutzprogramme wurden dagegen gestrichen.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Donald Trump in der Schweiz
1 / 12
Donald Trump in der Schweiz

Am Mittwochmittag ist der US-Präsident Donald Trump in Zürich gelandet.

quelle: keystone / evan vucci
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Demokratische Abgeordnete bezichtigt Trump nach Einsicht in ungeschwärzte Epstein-Files der Lüge
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
10 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
10
Israel legt Iranern Kontaktaufnahme für Zusammenarbeit nahe
Die wichtigsten Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten in der Übersicht, fortlaufend aktualisiert.
(red)
Zur Story